Die autonomen Besetzungstage in Leipzig: Ein Rückblick und Fazit

Einige Zeit ist vergangen, seit im Oktober 2025 die Autonomen Besetzungstage in Leipzig begannen. Wir haben uns Zeit gelassen, uns von den Aktionstagen zu erholen und bei den Besetzer*innen trudeln die ersten Vorladungen ein. Wir wollen nun mit etwas Abstand zurückblicken. Was ist eigentlich alles passiert, wie liefen die Aktionen und was können wir für die Zukunft daraus ziehen? In den folgenden Zeilen wollen wir chronologisch die Tage Revue passieren lassen und am Ende noch mal mit einem größeren Blickwinkel und selbstkritisch auf die gesamte Zeit schauen. 

Ganz unten haben wir Texte verlinkt.

WAS IST PASSIERT?

Am Freitag, den 10. Oktober haben die ABeTa, im Anschluss an eine kraftvolle Kundgebung gegen Mietpreiserhöhung und Gentrifizierung mit der Besetzung der Henri in der Lützner Straße 99 begonnen. Schnell waren Unterstützer*innen, unter ihnen auch Anwohner*innen und einige Kundgebungsteilnehmende vor Ort und haben die Besetzung begrüßt. Das Küfa-Team von der Kundgebung ist kurzerhand vor die Henri umgezogen und hat die Menschen vor Ort versorgt.

Nach 2 Stunden fuhren die erste Polizeiwanne und das Ordnungsamt auf, sichtlich überfordert mit der Situation – die letzte Hausbesetzung in Leipzig war ja nun schon einige Zeit her gewesen, da kommt man etwas aus der Übung. Das hat sie aber nicht davon abgehalten, Drohnen einzusetzen, Nachbarn den Zugang zu ihren Wohnungen zu verwehren und ihren berechtigten Protesten mit Gewalt zu begegnen.

Anders als wir es in Leipzig gewohnt sind, haben sie nach 22 Uhr noch mit der Räumung des Hauses begonnen. Die Besetzer*innen berichteten im Nachgang von dem brutalen Vorgehen dabei, auch die Unterstützer*innen konnten durchs Fenster beobachten, wie eine Person zu Boden geworfen wurde. Nach etwa 1,5 Stunden Polizeimaßnahme verließen die Besetzer*innen die Henri und wurden von der Kundgebung vorm Haus empfangen.

Am nächsten Morgen waren die ABeTa in der Leipziger Lokalpresse angekommen, unterstützt durch die Nachricht: Ein neues Haus wurde besetzt! Vor der „Waldi“ waren kaum Unterstützer*innen vor Ort. Die, die da waren, wurden aber mittags bei der Räumung des Hauses mit der Nachricht belohnt, dass die Besetzer*innen der Waldi von der Polizei nicht aufgefunden wurden.

Diesen Frust mussten die Cops natürlich irgendwo ablassen und haben das dann am Sonntag, den 12.10., vor der „Villa Krause“ in der Julius-Krause-Straße 8 getan. Die Villa Krause ist ein Haus im Leipziger Osten, das an diesem Morgen für die Nachbarschaft und alle Interessierten geöffnet wurde. Auf dem Grundstück wurden viele schöne Gespräche geführt, es gab Kaffee und Kuchen und die Möglichkeit, sich das Haus von innen anzusehen. Unweit von der Villa Krause gab es gegen Mittag außerdem einen solidarischen Bannerdrop, um noch mehr Anwohnende und Passant*innen auf die Öffnung des Hauses aufmerksam zu machen. Gemeinsam haben die Menschen vor Ort sich ausgetauscht, was mit diesem wunderschönen Gebäude passieren könnte. Zu dem geplanten Nachbarschaftstreff, bei dem diese Ideen gesammelt und konkretisiert werden sollten, kam es allerdings nicht.

20 Minuten vor Beginn des Treffens kam eine Horde aus etwa 60 Cops in voller Montur anmarschiert und verwies die Versammlung vom Grundstück. Einige Versammlungsteilnehmende, die gerade in Begriff waren zu gehen, zerrten sie dann doch noch wieder zurück, um ihnen kurzerhand vorzuwerfen, sie wären die Besetzer*innen und hätten Hausfriedensbruch begangen. Aus der Traum von einem neuen gemeinschaftlichen Raum in Sellerhausen.

Am nächsten Abend erreichte uns eine Nachricht, die diesen Frust etwas erträglicher machte: Im Westen gab es eine Scheinbesetzung in einem leerstehenden Eckhaus. Es wurden Banner aufgehängt, die das Haus als eines von den zahlreichen Leerständen in Leipzig markierten.

Zwei Tage später, am Mittwoch, den 15.10., wurde im Osten das „Eineck“ von „Leipzig Besetzen“ besetzt. In dem riesigen Eckhaus an der Einertstraße sollte ein neues soziales Zentrum und bezahlbarer Wohnraum entstehen. Schnell sammelten sich solidarische Unterstützer*innen und versorgten die Besetzer*innen mit allem, was sie brauchten. Außerdem verschönerten sie die Hausfassade und die Umgebung mit Luftballons und Girlanden. Die Besetzer*innen meldeten sich immer mal wieder von drinnen und so blieb die Stimmung trotz mangelnder Infrastruktur vor dem Haus gut. Auch wenn viele schöne Gespräche zwischen den solidarischen Menschen vor Ort entstanden, fehlte Einigen die Möglichkeit, sich mit den Anwohner*innen zu vernetzen. Was hier noch hätte passieren können, wurde nach wenigen Stunden durch die Polizei zunichte gemacht. Obwohl die Bullen zum Zeitpunkt der Räumung und unseres Wissens nach auch bis jetzt immer noch keinen Kontakt zum Eigentümer hatten, hielt sie das nicht davon ab, die neuen Bewohner*innen des Einecks mit einem riesigen Aufgebot an Polizeikräften rauszuschmeißen. Nachdem die Cops es nicht geschafft hatten, durch die Vordertür reinzukommen, wurde der Versuch über den Hinterhof weitergeführt. Dafür sind sie über Privatbalkone von den Nachbar*innen geklettert und haben diese auch sonst sehr unfreundlich und rabiat behandelt. Die Besetzer*innen erzählten später ebenfalls von übertrieben gewaltvollem Verhalten der Polizei, erfreuten uns aber auch mit Geschichten über deren Inkompetenz. So haben sie sich wohl auf dem Weg die Treppe herunter verlaufen und Ewigkeiten nach einem vermeintlichen neunten Banner gesucht, obwohl am Haus nur acht Banner hingen. 

Während der Besetzungstage und auch danach erreichten uns viele Zusendungen von Aktionen in Solidarität mit den ABeTa. Das hat uns sehr gefreut, schließlich begannen die Aktionstage mit einem Aufruf, sich selbst zu beteiligen. Es wurden Banken, Immobilienbüros, Schlüsseldienste und Polizeiwachen angegriffen und es gab mehrere Spontandemonstrationen. Nach der Räumung des Einecks wurde über Indymedia für Freitag, den 17.10., zu einem Massencornern auf der Eisi aufgerufen. Wir haben uns gefreut, dass sich die Straße genommen und so ein Raum für die Emotionen und die Wut geschaffen werden sollte, die in den letzten Tagen durch die extrem schnellen Räumungen aller Besetzungen entstanden waren. 

Über mehrere Banner an den Besetzungen sowie weiteren leerstehenden Häusern wurde Solidarität mit anderen Autonomen Zentren und Besetzungen deutschland- und europaweit gezeigt. Zufälligerweise wurden im gleichen Zeitraum verschiedene Häuser in anderen Städten besetzt: der Bierpinsel in Berlin, das Korner in Bremen und in der Innstraße in Rosenheim. Außerdem gab es einige Solibanner aus anderen Städten an die ABeTa.

EINORDNUNG UND REFLEKTION

Während der Aktionstage ist bei uns oft Frust und Enttäuschung aufgekommen. Durch die schnellen und gewaltvollen Räumungen der Häuser haben wir uns oft machtlos und klein gefühlt. Zwei Ziele haben die Cops mit ihrem Vorgehen erreicht: uns für kurze Momente die Hoffnung zu nehmen und die Möglichkeit auf weitere Mobilisierung und Vernetzung (vor allem der Anwohnenden und des Kiezes) zu zerschlagen.

Diese Hoffnungslosigkeit hat sich für uns auch in den verhältnismäßig kleinen Mengen an Unterstützer*innen vor den Häusern gezeigt. Hausbesetzungen scheinen nicht mehr so viel Mobilisierungspotenzial zu haben wie noch vor einigen Jahren. Da nur recht wenig Menschen vor Ort waren und durch die schnellen Räumungen wenig Eigeninitiative entstehen konnte, wäre es gut gewesen, wenn die Kundgebungen vor den Häuser besser vorbereitet gewesen wären. Das hätte im vorhinein unsere Kapazitäten gesprengt und ist leider hinten runter gefallen. Mit mehr Bündnisarbeit mit bereits bestehenden Initiativen und breitere Vernetzung in den Monaten vorher hätte es mehr Ressourcen gegeben, um auch diese Arbeit zu übernehmen. Ein anderer Ansatz den wir hätten wählen können, wäre eine offenere Vorbereitung der Aktionstage gewesen, um mehr Leute in den Prozess einzubeziehen.

Trotzdem sind durch die Masse an Aktionen und die Länge der Aktionstage die Besetzungen und ihre Forderungen in der Öffentlichkeit angekommen. Wir waren beeindruckt von der Menge an überwiegend positiver Presse und Feedback, die die Besetzungen hervorgerufen haben. Leider haben wir es nicht geschafft, die Welle an Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und zu nutzen, um neue Energie in den Kampf gegen Gentrifizierung und die aktuellen Eigentumsverhältnisse zu stecken.

Uns ist aufgefallen, dass durch die Besetzungen und Soliaktionen szenetypische Aktionsformen überwogen haben. Wir hätten es schön gefunden, wenn auch andere Aktionen vertreten worden wären, die die Beteiligung von mehr Menschen ermöglicht und die Aktionstage anschlussfähiger gestaltet hätten. 

Wir glauben, dass Außenstehende teilweise nicht wirklich mitbekommen haben worum es bei den öffentlichen Aktionen ging. Das finden wir schade, weil der Kampf gegen die bestehenden Eigentumsverhältnisse kein nischiges linkes Thema ist. Die Wut über immer teurer werdende Mieten, Verdrängung von nicht-kommerziellen Orten und unfreundliche Vermieterschweine vereint uns mit den Menschen, die genauso wie wir von den miserablen Zuständen betroffen sind. Deshalb finden wir es umso trauriger, dass diese Verbindung kaum noch herzustellen und aufrechtzuerhalten ist.

EMOTIONEN
Wir haben uns außerdem gefragt, inwiefern es sich aktuell noch um echte Emotionen handelt, die wir versuchen auf die Straße zu tragen. Die Hoffnung auf neue Freiräume und der Wille die Räume zu halten sind überschattet von den unvermeidbaren Räumungen, bei denen das System seine krasse Übermacht demonstriert. Die sich immer wiederholende Zerstörung unserer Träume hinterlässt uns oft nicht mehr wütend sondern nur noch resigniert. Aktionen, in denen wir unsere Wut auf die Straße tragen wollen, fühlen sich für einige von uns dadurch nur noch performativ an.

Aber für uns ist Aufgeben keine Option. Solange Menschen durch dieses System und dessen Eigentumsverhältnisse in immer prekärere Lebensverhältnisse gezwungen werden, können wir nicht aufhören, für ein solidarisches Zusammenleben und für Freiräume zu kämpfen. Ohne Wut, Hoffnung und Verbundenheit können wir den Kampf nicht gewinnen.

STRATEGIEN
Um der Resignation entgegen zu wirken, haben wir uns mit den Aktionstagen dafür entschieden, nach einer Räumung nicht einfach aufzuhören, sondern sofort neu zu besetzen. Das hat uns geholfen mit der aktuellen Aussichtslosigkeit von Besetzungen umzugehen und lässt uns auch rückblickend die Tage als Erfolg einschätzen.

Für uns hat es gut geklappt, für einander da zu sein. Wir haben es geschafft, uns vor, während und nach Aktionen gegenseitig aufzufangen. Das wollen wir weiterhin Teil unserer Praxis sein lassen.

Besonders positiv blicken wir auf die Besetzung der Villa Krause zurück. Das Konzept der offenen Besetzung hat von Besucher*innen und Anwohner*innen viel Zuspruch bekommen. Die Anwesenden konnten durch die Möglichkeit, sich das Haus selbst von innen anzuschauen, noch einen ganz neuen Zugang zu Besetzungen und was aus ihnen werden kann, erhalten. Ein weiterer Vorteil: Die Menschen, die die Villa für alle geöffnet hatten, hat die Polizei bei ihrer Erstürmung des Geländes nicht erwischt.

FAZIT
Wir haben die Autonomen Besetzungstage mit ihrer Masse an Aktionen genutzt, um neue Aktionsformen auszuprobieren, um gemeinsam zu lernen und den Erfolg verschiedener Besetzungsformen zu testen. Wir hatten viele große und kleine verbindende, hoffnungsvolle und schöne Momente. Das sehen wir als klaren Gewinn. 

Auch wenn Besetzungen immer schwieriger werden, möchten wir euch motivieren, selbst aktiv zu werden, neue Strategien auszuprobieren und immer weiter zu besetzen!

Was ist aus den Häusern geworden? *sad punk music playing*

Die Eingangstür der Henri wurde nach wenigen Tagen zugemauert. 

Vor der Waldstraße stand bereits am Tag danach jemand und hat das Haus neu gestrichen.

An der Wand von der Villa Krause erinnern noch Kreidezeichnungen an die schönen Stunden, die wir dort verbracht haben.

Im Eineck leuchtete auch Tage später noch eine Lichterkette im Fenster und hängt immer noch dort.

Texte:
zur rechtlichen Einordnung von Hausbesetzungen: https://raannamariamueller.wordpress.com/2025/11/27/hausbesetzungen-und-die-frage-von-legalitat-und-legitimitat/

Die Nutzungskonzepte der Häuser:

Henri: https://abeta.noblogs.org/nutzungskonzept/

Villa Krause: https://abeta.noblogs.org/nutzungskonzept-2/

Eineck: https://abeta.noblogs.org/nutzungskonzept-3/

Ein schöner Text über Hoffnung: https://de.indymedia.org/node/505786

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreibe einen Kommentar

Schaut mal was heute in Berlin passiert ist :)

Heute, am 18.10.25, haben Aktivist*innen den „Bierpinsel“ in Berlin besetzt. Liebe Grüße von uns und volle Solidarität mit den Besetzer*innen!
https://de.indymedia.org/node/547748

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Schaut mal was heute in Berlin passiert ist :)

Massencornern 17.10.2025

Wir haben eine Ankündigung erhalten, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Am Freitag, 17.10. ab 18 Uhr soll es ein großes Cornern auf der Eisenbahnstraße – Hildegardstraße bis Torgauer Platz – geben. Kommt doch vorbei!

Hier haben wir es gelesen: https://de.indymedia.org/node/545359

„Die Bullen haben jetzt alle Häuser geräumt. Das Henri im Westen und die Villa Krause und das Eineck im Osten.

Jeder Versuch sich außerhalb kapitalistischer Zwänge zu organisieren und gemeinschaftliche Lösungen weg von Kontrolle und Herrschaft für unsere Probleme zu finden, wird auf kurz oder lang von der Polizei angegriffen. Alle neuen und alten unkommerziellen Räume werden geräumt und zu Spekulationsobjekt oder Konsummeilen umfunktioniert.
So war das schon mit dem Black Triangle 2019, der Luwi 2020, sowie dem neuen sozialen Zentrum “Helium” 2023 und so wird dass mit unseren 3 Häusern sein. Jeder dieser Orte hätte der Nachbarschaft gut getan. Als Punkt der Vernetzung, Widerstand gegen Gentrifizierung oder Ursprungsort sozialer Lösungen statt bedrohlicher Polizeiposten. Jetzt stehen diese Häuser leer und die Ordnung, die unsere Machtlosigkeit organisiert ist wieder hergestellt.

Das macht uns wütend. Wir lassen uns nicht einfach so unterkriegen und werden weiter unermüdlich gegen das Leid dieser Eigentumsordnung rebellieren.
Um klar zu machen wie wichtig dieser Ort wäre und wie sehr die Mieter*innen Leipzigs die Schnauze voll haben, wollen wir Freitag Abend zusammen kommen.

Deshalb rufen wir ab 17 Uhr massenhaft zum Cornern zwischen Hildegardstr. und Torgauer Straße auf der Eisi. Gebt euren Freund*innen und Nachbar*innen bescheid, organisiert Musik und lasst uns gemeinsam zeigen, dass unser Kiez sich nicht von einer möglichen polizeilichen Belagerung einschüchtern lässt. Achtet aufeinander und seid solidarisch mit dem Viertel und den Bewohner*innen, die seit so vielen Jahren mit rassistischer Staatsgewalt und medialer Hetze überzogen werden. Lasst uns ein gemeinsames Zeichen setzen und allen klar machen, dass wir mit der Entwicklung unserer Viertel nicht einverstanden sind und uns der dauerhafte polizeiliche Ausnahmezustand wütend macht.

Die Häuser denen die sie brauchen und eine Eisi für alle!“

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Massencornern 17.10.2025

Pressemittteilung Räumung Eineck

gefunden auf: https://leipzigbesetzen.noblogs.org/post/author/leipzigbesetzen/

Leipzig Besetzen, 16.10.2025: Das Eineck ist nach 5 Stunden geräumt

Nach fünf Stunden Besetzung wurde das Eineck gestern Abend am 15.10.2025 durch die Polizei geräumt. Vier vermeintliche Besetzer*innen wurden von der Polizei anschließend wieder frei gelassen. Die Solidaritätskundgebungen liefen den gesamten Abend und auch nach der Räumung saß die Nachbar*innenschaft noch auf der Straße zusammen.

Die Besetzung des Hauses in der Einertstraße 3, welches mindestens 15 – 20 Jahre leer stand, wurde am 15. Oktober 2025, gegen 16 Uhr bekannt. Unmittelbar auf die Veröffentlichung folgten ein Nutzungskonzept und die ausdrücklich Bereitschaft zur Verhandlung mit Eigentümer*innen wurde durch die Aktivist*innen kommuniziert. Auf der Straße vor dem Haus fanden sich mehrere hunderte Unterstützer*innen ein, um das neue Projekt zu begrüßen und kennenzulernen. Eine spontane Versammlung als Ausdruck der Solidarität wurde angemeldet. Auf dieser waren unter anderem Redebeiträge zu hören, zu Rap, Schlager und Ton Steine Scherben  wurde getanzt und die Kreuzung als einem Ort des Zusammenkommens genutzt. Mehrere Menschen brachten spontan Essen und Getränke vorbei. 17:30 versuchte die Polizei die Menschen vor dem Haus erstmals zu räumen und die Fläche mit Polizeiabsperrband abzuschirmen. Zudem betraten sie den Hinterhof und wollten sich von hinten Zugang zum Haus verschaffen. Beide Aktionen scheiterten, einerseits weil genug Menschen sich dem wiedersetzten und den Anweisungen der Polizei mit Ungehorsam begegneten. Andererseits machte ein kleiner Zaun im Hinterhof der Polizei erstmal einen Strich durch ihre Rechnung. Um 20 Uhr begann die Polizei trotz angemeldeter Kundgebung die versammelten Menschen zu drangsalieren. Sie drangen ohne Rücksicht in die Menschenmenge ein, schoben und schubsten einige Personen von der Fläche vor dem Haus. Nur wenig später rauschten mehrere Wagen der Polizei die Einertstraße rein, fuhren dabei beinah eine Person um und nahmen so leichtsinnig schwerwiegende Unfälle in Kauf. Nachdem dann um 20 Uhr der Einsatz begonnen wurde, endete die Räumung um  22:20 Uhr mit der Abführung von den Besetzer*innen durch die Polizei.

Als besonders kraftvoll wurde die Vielzahl von solidarischen Menschen empfunden, die das Geschehen kritisch beobachteten, begleiteten und Sprechchöre anstimmten. Somit gaben sie Mut und Support an die Besetzer*innen weiter, die sich über mehrere Stunden in einer polizeilichen Maßnahme befanden. Über die Kanäle der Autonomen Besetzungstage sprachen die Besetzer*innen allen Unterstützer*innen ihren Dank aus.

Das Vorgehen von Stadt, Polizeibehörde und Eigentümer*innen überrascht nicht, dennoch enttäuscht es sehr und auch aufs neue. Trotz eindeutig kommunizierter Möglichkeit, in den Dialog zu gehen, in Verhandlung zu treten und sich kennenzulernen, meldete sich die Briefkastenfirma und ihre Verantwortlichen weder bei den Menschen vor Ort noch den Aktivist*innen. Sofern es eine Kommunikation gab, so war diese vermutlich zwischen Eigentümer*innen und Polizei und es muss davon ausgegangen werden, dass die Polizei keine objektive Beratung angeboten hat, sondern behauptet haben muss, eine Räumung müsse stattfinden. Bei einem Hausfreidensbruch finden Räumungen erst auf Antrag der Eigentümer*innen statt. Daraus lässt sich schließen, dass die Behörde einen unmittelbaren Zwang zur Strafverfolgung insb. ohne drohende Gefahr nicht aus eigener Macht hat, wie sie selbst in einem Bericht des MDR Anfang der Woche behauptete [1]. Die Polizei schätzt damit ihre eigene Agenda der sogenannten Strafverfolgung erneut höher ein, als das Wohl und den Willen der Bürger*innen der Stadt Leipzig. Erneut wurde außer Acht gelassen, dass es ein klares Nutzungskonzept mit Blick auf die Bedarfe des Viertels gab. Vorschläge von Nachbar*innen und unterstützenden Menschen wurden durch die gewaltvolle Räumung erneut abgeschmettert. Es zeigt sich: profitorientierte Eigentümer*innen und die Polizei haben kein Interesse an gemeinwohlorientierten Lösungen und ziehen Wohnraumspekulationen und das gezielte Verfallenlassen von sehr gut nutzbaren Gebäuden für die Gewinnmaximierung weniger vor.

„Für ein paar Stunden konnten wir ansatzweise den Austausch und die Nachbarschaftsvernetzung wieder aufleben lassen, welche sich bereits die letzten Jahre bei Besetzungen im Osten gebildet hatte. Die frühzeitige Räumung des Eineck hat das natürlich jetzt abgebrochen. Stattdessen bleibt bei uns Trauer und Wut darüber, aber auch der Mut, uns weiter gegen kapitalistische Zustände zu wehren.“, sagt Kaja von Leipzig Besetzen und fügt hinzu: „Wir sind froh, dass unsere Gefährt*innen bei der Räumung nicht verletzt wurden. Wir von Leipzig Besetzen stellen uns entschieden gegen Mietprofite, Privateigentum und Abhängigkeit von Mietverhältnissen und kämpfen stattdessen weiterhin für die Kollektivierung von Wohnraum!“

Am Freitag werden die Nachbar*innen die Chance bekommen, ihre Wut zu äußern und ihr Verlangen nach Gemeinschaft zu stillen. Ab 18uhr wird zum Massencornern auf der Eisenbahnstraße eingeladen. Treffpunkt ist zwischen Einertstraße und Konsum.

Für Presseanfragen etc. an ABeTa: abeta(at)riseup(punkt)net
Für Presseanfragen etc. an Leipzig Besetzen: leipzigbesetzen(at)riseup(punkt)net

Pressekontakt: +49 176 13acht 140 62

Weitere Infos sind auf dem Blog leipzigbesetzen.noblogs.org sowie auf Social Media zu finden (links: linksta.cc/@abeta )

————————-

Quellen:

[1] – https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/haus-besetzung-hausfriedensbruch-anzeige-ermittlungen-100.html

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Pressemittteilung Räumung Eineck

Update zur Räumung des Einecks

Die Räumung ist seit 22:20 durch und die Besetzenden wurden ohne Platzverweis vor die Tür gesetzt. Mehr Infos morgen. Gute Nacht!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Update zur Räumung des Einecks

Eineck: Neue Hausbesetzung im Leipziger Osten!

Leipzig Besetzen hat das Eineck besetzt: https://leipzigbesetzen.noblogs.org/post/2025/10/15/eineck-neue-hausbesetzung-im-leipziger-osten/

Die autonomen Besetzungstage in Leipzig gehen weiter!
Wir, Leipzig Besetzen, haben uns dem Aufruf der Autonomen Besetzungstage angeschlossen und heute, am 15. Oktober, ein Haus besetzt! Das Eckhaus in der Einertstraße 3 heißt jetzt Eineck. Wir laden alle Menschen ein, zur Besetzung zu kommen.

Luwi, Tiefe, Antischocke, Helium: Die Besetzungen der letzten Jahre im Leipziger Osten haben es gezeigt: die Stadt, Hauseigentümer*innen, und die Bullen haben keinerlei Interesse daran, uns unsere Freiräume zu lassen. Statt genutzt zu werden, sollen leerstehende Häuser lieber weiter verfallen und die, die was dagegen haben, werden mit Schlagstöcken und Pfefferspray vertrieben. Doch wir lassen uns davon nicht einschüchtern und Aufgeben war sowieso noch nie eine Option. Wenn ihr uns räumt, kommen wir wieder!

Denn wir haben keine Wahl. Die ganze Stadt wird weggentrifiziert, alternative Lebensentwürfe werden verdrängt und geräumt und statt ihre Gewinne als Möglichkeit zu sehen, unsere Mieten zu senken oder unsere Wohnungen zu pflegen, machen Hauseigentümer*innen und Immobilienkonzerne genau das Gegenteil: Die nächste Mieterhöhung kommt gewiss und die Heizung wird trotzdem nicht repariert.

Das Eineck wurde 1898 gebaut und scheint seit beinahe 15 Jahren als Adresse für eine Briefkastenfirma genutzt zu werden. Einen Kontakt zum*zur Eigentümer*in konnten wir auch nach ausführlicher Recherche bisher nicht herstellen. Wir konnten nicht länger mit ansehen, wie dieses Haus weiter verstaubt und haben deshalb beschlossen, dort einzuziehen. Wenn der*die Eigentümer*in sich weiterhin nicht dafür interessiert, was mit dem Haus passiert, können wir die Wohnungen in den oberen Geschossen für Menschen öffnen, die es sich sonst nicht leisten können, in einer Wohnung zu leben. Wir wollen damit insbesondere Raum für Menschen schaffen, die auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert werden. Den unteren Teil wollen wir als soziales Zentrum für den Kiez öffnen, mit Plenums- und Veranstaltungsräumen, Infoladen, Bar und was sich sonst noch gewünscht wird. Hier könnten unter anderem Projekte Platz finden, die in den letzten Jahren von der Eisi verdrängt wurden, aber auch neue selbstverwaltete Projekte und soziale Initiativen entstehen.

Für uns steht fest: Wir wollen den Eisi-Kiez nicht dem Mietenwahnsinn überlassen und tatenlos zusehen, wie immer mehr Hipsterläden und Bullenwachen eröffnet werden, während gleichzeitig hunderte Wohnhäuser verfallen, Menschen ihre Miete kaum noch zahlen können und ein soziales Projekt nach dem anderen schließen muss. Wir fordern mehr Platz für Freiräume statt rassistischer Polizeipräsenz und Repression, bezahlbaren Wohnraum für alle und Kollektivität statt Vereinzelung!

Wir laden alle ein, zum Haus zu kommen, sich in den Versammlungen einzubringen und mitzumachen. Ganz besonders laden wir auch den*die Eigentümer*in und die Stadt Leipzig dazu ein, mit uns in Kontakt zu treten und über die weitere Nutzung des Hauses zu verhandeln.

Lasst uns die Stadt gemeinsam gestalten, statt zuzusehen wie Häuser leerstehen und verfallen!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Eineck: Neue Hausbesetzung im Leipziger Osten!

An die Verfasser*innen von „gekommen um zu bleiben“

An die Verfasser*innen von „gekommen um zu bleiben“: Auf Wunsch der*des Eigentümer*in des Hauses haben wir den Artikel vom Blog genommen. Die Person hat sich bei uns gemeldet und möchte mit euch in Kontakt kommen. Schreibt uns gern eine Mail, dann leiten wir euch weiter.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für An die Verfasser*innen von „gekommen um zu bleiben“

Pressemitteilung Räumung Villa Krause

Am 12.10. wurde die sogenannte „Villa Krause“ in der Julius-Krause-Straße 8 durch die Polizei nach circa fünf Stunden geräumt. Dafür rückte die Polizei mit einem großen Aufgebot an und drängte die Menschen, die sich in friedlicher Stimmung die Räumlichkeiten der Villa anschauten vom Grundstück. Unterstützer*innen begleiteten den Polizeieinsatz die ganze Zeit über solidarisch. Zwei Kundgebungsteilnehmende wurden von der Polizei festgehalten und einer Maßnahme unterzogen.

Am Vormittag des 12.10. wurde die Besetzung der „Villa Krause“ bekannt gegeben. Daraufhin versammelten sich rund 50 Menschen vor dem Haus um sich einen ersten Eindruck von dem gerade geöffneten Ort zu verschaffen, sich in der bunt geschmückten Villa umzuschauen und sich mit den Besetzer*innen solidarisch zu zeigen. Vor der Villa wurde eine Kundgebung angemeldet. Es gab Kaffe und Kuchen, Musik und heitere Stimmung.

Gegen 12 Uhr kamen die ersten Polizeiwagen und verschafften sich ein Bild der Lage um die Räumung vorzubereiten. Nach und nach rückten immer mehr Einsatzkräfte an. Gegen 12:15 Uhr begann die Polizei mit der Räumung. Die Besetzer*innen selbst konnte die Polizei in der Villa nicht antreffen. Nachdem die Polizei mehrere Stunden die Villa durchsuchte und Dekoration und Banner beschlagnahmte war ein Großteil des Einsatzes gegen 17 Uhr abgeschlossen und die Kundgebung wurde für beendet erklärt.

Die „Villa Krause“ wurde im Zuge der am 10.10. ausgerufenen „Autonomen Besetzungstage – Gemeinsam gegen Gentrifizierung, Mietwucher und Verdrängung!“ besetzt und geöffnet (Hintergründe dazu finden sich auf dem Blog https://abeta.noblogs.org/   ). Die Öffnung der Villa sollte ein neues Nachbarschaftszentrum ermöglichen, in dem Austausch und Vernetzung unter den Anwohner*innen im Fokus hätte stehen können. Solche nicht-kommerziellen Orte wurden in den letzten Jahren immer mehr zurückgedrängt und mussten in vielen Fällen ganz schließen. Um erste Ideen und Wünsche für diesen Ort zu sammeln, war für 15 Uhr eine offene Nachbarschaftsversammlung in der Villa Krause geplant. Dazu kam es durch die schnelle Räumung letzendlich nicht.

Die Räumung der Villa und das Polizeiaufgebot werden als überzogen bewertet. Wie auch bereits einige Tage zuvor bei der Räumung der Besetzung „Henri“ in der Lütznerstr. 99 sowie der Besetzung „Waldi“ in de Waldtraße 9, kam auch bei der Räumung der Villa Krause der Fimmel der sogenannten Leipziger Linie zum Tragen. Nach Vorbild der Berlinier Linie wird hiernach alles innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden der Besetzung geräumt – ohne dabei jegliche Möglichkeit für Verhandlungen zwischen Besetzer*innen und Eigentümer*innen zu lassen.

Die Besetzung und Öffnung der Villa Krause reiht sich in verschiedene Aktionen im Rahmen der „Autonomen Besetzungstage“ ein. Darunter Besetzungen und Solidaritätsbekundungen, wie zum Beispiel in Form eines Bannerdrops, der an einer Brücke auf der Wurznerstraße auf die besetzte Villa Krause aufmerksam machte.

Die Besetzer*innen bedanken sich bei allen Interessierten, die sich die Villa Krause angeschaut, ihren Zuspruch zu dem Anliegen deutlich gemacht haben und die Räumung während der Kundgebung solidarisch begleiteten.

Für Presseanfragen etc.: abeta(at)riseup(punkt)net ; Pressekontakt: +49 176 13acht 140 62

Weitere Infos sind auf dem Blog abeta.noblogs.org sowie auf Social Media zu finden (links: linksta.cc/@abeta )

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Pressemitteilung Räumung Villa Krause

Update Räumung Villa Krause

Die Villa Krause wurde mit einem massiven Bullenaufgebot geräumt. Wieder einmal zeigt sich, wie der Staat die Eigentumsordnung mit allen Mitteln gewaltvoll versucht zu „verteidigen“. Während Menschen auf der Straße schlafen müssen und die Mietpreise drastisch in die Höhe steigen, bleibt die teilsanierte Villa leer und verlassen zurück. Und damit ein Ort, der in Zeiten von Vereinzelung, massivem Sozialabbau und desolater Lage auf dem Wohnungsmarkt ein Gegenpol hätte sein können. Ein Ort des Zusammenkommens und des Austausches, in dem sich Anwohnende mit ihren Wünschen und Ideen hätten einbringen, kennenlernen und ihre Nachbarschaft gemeinsam hätten gestalten und stärken können. Noch vor dem geplanten Nachbarschaftstreffen, haben die Cops uns diesen Ort genommen. Wie schon zuvor die Henri und die Waldi. Aber wir werden nicht aufhören uns die Stadt, in der wir leben zurückzuholen! Wir sind wütend und gleichzeitig ermutigt durch die vielen Solidaritätsbekundungen und den Zuspruch und das Interesse der Anwohnenden. Die Autonomen Besetzungstage gehen weiter!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Update Räumung Villa Krause

Update „Villa Krause“

Die Cops fangen mit der Räumung an.
Kommt zu der angemeldeten Kundgebung und unterstützt die Besetzung!
Achtet aufeinander <3

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Update „Villa Krause“